Boneguard GmbH

„Ich wollte nicht einfach ein Produkt auf den Markt bringen oder ein großes Unternehmen gründen. Ich wollte ein Problem lösen“, beschreibt Sonja Labitzke die Anfänge ihres Unternehmens Boneguard GmbH. „Das Problem war, dass mein Hund seine Kauknochen bis zur Hälfte gefressen und den Rest dann in einem Stück verschluckt hat. Dieses Reststück ist dann mehrfach im Hals stecken geblieben.“

Zuerst dachte die Gründerin, dass dies nur eine Eigenheit von ihrem Hund sei. Beim Recherchieren im Internet entdeckte sie jedoch, dass viele Hundebesitzer dasselbe Problem haben. Sie lernte auch, dass Hunde sogenannte „Schlingfresser“ sind, sie schlingen regelmäßig die Nahrung schnell und unzerkaut hinunter.

Für dieses Problem suchte die Gründerin eine Lösung und erfand einen Kausnackhalter, der das gefährliche Verschlucken von Kauknochen verhindert. Ungewöhnliche Vorgehensweise? Nicht für Sonja Labitzke, die eine Leidenschaft dafür hat, Lösungen zu finden oder etwas zu erfinden. Dies kann ein Produkt sein aber auch eine andere Herangehensweise.

Für den Kausnackhalter ließ sich die Erfinderin einen besonderen Namen einfallen – Boneguard, was im Englischen so viel wie „Wächter des Kauknochens“ bedeutet. „Der Name strahlt Energie, Kraft und Internationalität aus“, schwärmt die Erfinderin, die auch in der Vergangenheit weitere interessante Produktideen hatte, wie zum Beispiel die Idee für einen „Pfotenwaschbeutel“ speziell für Hunde.

Auch das Qualifikations- und Berufserfahrungsspektrum der Unternehmerin darf man ruhigen Gewissens als interessant bezeichnen: Zuerst Ausbildung zur Industriekauffrau, später Arbeitserfahrung in einer Tierklinik und parallel Studium der Humanmedizin, zeitweilig Betrieb einer Hundeschule, anschließend langjährige Tätigkeit im medizinischen Außendienst, nebenberufliches Studium des Innovationsmanagements in Österreich und ein Akademiestudium zum Gewerblichen Rechtschutz.

Der Weg vom Kausnackhalter als Idee bis hin zur Unternehmensgründung, lief über die internationale Fachmesse für Ideen, Erfindungen und Neuheiten (iENA) in Nürnberg. Dort gewann die Gründerin 2015 die Silbermedaille für ihre Erfindung. Die gute Resonanz auf die Erfindermesse bewegte sie dazu, mit dem Produkt in die Fertigung zu gehen und ein eigenes Unternehmen zu gründen. Auf der Weltleitmesse für Heimtierbedarf, der Interzoo hat sie ihre Erfindung Boneguard dann erstmal als fertiges Produkt vorgestellt und dort auch einen Innovationsaward gewonnen.

Einen Hersteller für den Boneguard zu finden, erwies sich als wahre Herausforderung. „Ein kleiner Krimi war es“, erzählt die Unternehmerin, die erfolglos etwas mehr als 100 Hersteller aus ganz Deutschland angesprochen hatte. „Ich wurde nicht ernst genommen. Die Mehrheit der Hersteller hatte kein Interesse. Als dann ein guter und interessierter deutscher Hersteller auf mich zukam, war die Zeit leider so knapp, dass aus dieser Zusammenarbeit vorerst nichts wurde.“ Mangels Alternativen in Deutschland und nach einigen Ärgernissen mit einem indischen Hersteller, entschied sich die Gründerin, ihr Produkt in China herstellen zu lassen. „Über einen Branchenkontakt habe ich ein seriöses und zertifiziertes Unternehmen in China gefunden, dass den Formenbau und die Produktion in einer sehr guten Qualität und noch rechtzeitig vor der Messe liefern konnte.“

Aktuell wird der Kausnackhalter aus Naturkautschuk in Deutschland, Belgien und Holland verkauft. Ein externer Lizenznehmer bedient den ganzen europäischen Markt.

Der Boneguard hat sich nicht nur als ein Erfolgsprodukt erwiesen, sondern auch als Bindeglied zwischen zufriedenen Tierbesitzern. So erfuhr die Gründerin aus der E-Mail einer Kundin, dass der Kausnackhalter sehr hilfreich war, als ihr Hund eine Pfoten-OP hatte und seine Kauknochen nicht richtig festhalten konnte. Der Snackhalter wird sogar im Rahmen von Kindertherapie eingesetzt. Kinder trauen sich eher, einen Hund zu füttern, wenn sie ein Bisschen Abstand vom Tier halten können. Dies macht der Boneguard möglich. Alles in allem ist die Beziehung der Unternehmerin zu ihren Kunden kein normales Verhältnis von Firma zu Kunde. Es geht um mehr.

An ihrer Selbständigkeit schätzt die Gründerin sehr, dass sie ihre eigenen Ideen umsetzen kann. „Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man ein fertiges Produkt im Geschäft stehen sieht, für das man selbst die Idee hatte.“

Es gibt bereits viele Menschen, denen die Unternehmerin Mut zur Selbständigkeit machen konnte. „Viele trauen sich nicht, weil sie denken, man muss viele Angestellte haben, um so etwas zu machen.“ Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass man in Deutschland vielfältige Unterstützung für eine Unternehmensgründung erfährt. „Es gibt total viel – Fördergelder, Förderberatung, Erfinderklubs – viele Leute finden aber den Einstieg nicht“. Allen, die den Trieb spüren, etwas Neues zu machen, rät die Gründerin eins: „Einfach machen! Und gucken, wo gibt es Unterstützung.“ Außerdem kann man viel nebenberuflich tun, erzählt Sonja Labitzke, die rückblickend nichts anders machen würde, mit einer Ausnahme: „Bei den anderen Erfindungen hätte ich früher Gas geben sollen. Ich habe das immer nebenberuflich gemacht, ich hätte es eher in Vollzeit machen sollen.“

Auf die Frage, wo sie ihr Unternehmen in fünf Jahren sieht, antwortet die innovationsfreudige Geschäftsfrau gelassen: „Ich bin derzeit dabei, weitere funktionale Zubehöre für Hunde aber auch für andere Tiere zu entwickeln. Außerdem plane ich eine eigene Produktion für die gebohrten Kausnacks, um die Lieferfähigkeiten zu garantieren. Derzeit werden die passenden Kauartikel von einer anderen Firma für mich hergestellt, aber da gab es gerade vor Weihnachten Lieferengpässe. Eine eigene Produktion bedeutet dann für meine kleine Firma, zu einem richtigen Unternehmen mit mehreren Angestellten zu werden.“

Die Gründerin, die ursprünglich aus Duisburg kommt, lebt sehr gerne in der Eifel, weil es hier so schön ist. „Ich wollte unbedingt dorthin, wo es hügelig ist.“ Hügel vermitteln ein Urlaubsgefühl, so meine Interviewpartnerin, die gezielt etwas in der Umgebung gesucht hat.

Die weiteren Standortvorteile haben es jedoch auch in sich: „Man ist im Dreieck von drei Metropolen und gut angebunden an die Autobahn, die Natur ist direkt vor der Haustür. Diese Kombination ist halt toll.“ In ihrem Mechernicher Wohnort halten alle Nachbarn zusammen. „Wo ich früher gewohnt habe, war das anders gewesen – jeder so für sich. Diese Offenheit finde ich total genial, das hat man nicht überall.“ Zudem ist die Grenzlage gut fürs Geschäft, die Unternehmerin kann ihre Kunden aus Holland und Belgien öfters persönlich treffen. Außerdem war es am Standort relativ einfach, ein Lager zu finden, in einer Großstadt wäre das vielleicht schwieriger gewesen.

Zum Ende des Interviews kommen wir dazu, über Erfolgseigenschaften von Unternehmerinnen und Unternehmern zu sprechen. „Das Wichtigste ist, ein Ziel zu haben und Durchhaltevermögen. Man braucht aber auch Selbstdisziplin – wenn das fehlt, dann würde auch Talent nicht helfen. Und wenn man es wirklich will, dann kann man auch nicht scheitern. Es kann Probleme geben, aber man findet den Weg Drumherum“, schlussfolgert die Unternehmerin, die Freiheit braucht, um kreativ zu sein.

Eine letzte Botschaft für unsere Leser? „Leute sollten mehr Mut haben, ihre Ideen umzusetzen. Es ist toll, was Eigenes zu machen!“

Wir sagen danke für das Interview und wünschen weiterhin viel Inspiration!