Digitalisierung ist greifbar und soll Spaß machen

So lautete eine der Botschaften der Auftaktveranstaltung „TechTogether“ am 5. Juni 2018 in den Räumlichkeiten des LVR-Industriemuseums in Euskirchen-Kuchenheim. „TechTogether“, das neue Netzwerkangebot der Wirtschaftsförderung, soll Unternehmen eine Plattform zur Information über neue technologische Entwicklungen und zum Austausch und Vernetzung mit regionalen F&E-Einrichtungen bieten. Gefördert wird das Veranstaltungsformat durch Mitteln der Europäischen Union.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung hatten die Veranstaltungsgäste die Gelegenheit, sich mit Experten des Forschungsinstitutes für Rationalisierung an der RWTH Aachen (FIR e.V.) auszutauschen. Die Referenten vom FIR e.V. stellten das Kompetenzzentrum für den Mittelstand „Digital in NRW“ vor und führten mit den Teilnehmern einen Praxis-Workshop zur digitalen Transformation von Produkten und Produktionsprozessen durch.

Bei der Vorstellung des Kompetenzzentrums „Digital in NRW“ machte Jan Hicking (FIR e. V.) auf konkrete Unterstützungsangebote für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aufmerksam. Ein konkretes Beispiel hierfür war der Onlinefragebogen zur Selbsteinschätzung „Quick Check“. Der Fragebogen ermöglicht kleinen und mittleren Unternehmen, die Reife ihrer Industrie 4.0-Fähigkeiten selbst einzuschätzen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Mehr Infos dazu finden Sie unter Digital-in-NRW.de.

Im Laufe des Workshops lernten die Veranstaltungsgäste unter Anleitung von Max-Ferdinand Stroh (FIR e. V.) die Plattform RapidCPS kennen. CPS steht für Cyber-Physische System und beschreibt die Vernetzung von Maschinen und Anlagen in Produktionsumgebungen. RapidCPS will zeigen, wie Produktionsdaten mithilfe von Sensoren erhoben und ohne besondere Programmierkenntnisse in ein digitales Modell überführt und visualisiert werden können. Beim Einsatz eines solchen Systems lassen sich die Produktionsanlagen dynamisch an die Produktionserfordernisse anpassen und die Qualität der Produktion verbessern.

Im Anschluss an den Workshop thematisierten die Experten des FIR e. V. und der Technologiescout des Kreises Euskirchen, Michael Franssen, die Frage nach den Qualifizierungsbedarfen in Unternehmen angesichts der fortschreitenden Digitalisierung.

Veranstaltungsteilnehmer machten in diesem Zusammenhang auf unterschiedliche Herausforderungen und Fragen aufmerksam: Wie schafft man bei Beschäftigten Akzeptanz für Themen wie Industrie 4.0? Wie lassen sich Ängste in Bezug auf Arbeitsplatzverlust abbauen? Wie lässt sich vermeiden, dass durch Digitalisierung nicht mehr Stress und Belastung für Beschäftigte entstehen?

Die Schaffung von Transparenz über den Nutzen von neuen technologischen Anwendungen und die Bereitstellung von Anreizen, sich mit diesen auseinanderzusetzen, wurden in der Publikumsdiskussion als mögliche Antworten darauf betrachtet.

Zugleich waren sich Diskussionsteilnehmer einig darin, dass je nachdem welcher Aspekt der Digitalisierung gemeint ist, sich andere Konsequenzen für die Arbeit der Zukunft ergeben. Digitale Anwendungen zur Visualisierung von Produktionsdaten werden andere Wirkungen entfalten als technologische Entwicklungen, die die Automatisierung der Produktion voranbringen. Im Fall einer fortschreitenden Automatisierung könnte die Integration von neuen Dienstleistungen in das ursprüngliche Geschäftsmodell den Wegfall von Arbeitsplätzen kompensieren, regte der Technologiescout an.

Die Referenten vom FIR e.V. machten in diesem Kontext deutlich, dass Industrie 4.0 eine große Vielfalt an Möglichkeiten bietet. Automatisierte Bestandsprüfungen, frühzeitige Meldungen von Zustandsabweichungen bei Maschinen oder automatische Nachbestellungen bei defekten Teilen sind nur einige Beispiele dafür.

Doch bevor man Geld in die Hand nimmt, sollte man ein allgemeines Verständnis über die Bedeutung von Industrie 4.0 für das eigene Unternehmen und für seine Produkte entwickeln. Kosten- und Zeitaspekte sollten dabei gründlich reflektiert werden. Nicht zuletzt sollte sich die Digitalisierungsstrategie an der Unternehmensstrategie orientieren, sodass keine gegenläufigen Zielsysteme durch unterschiedliche Strategien aufgebaut werden.

Abgerundet wurde das Veranstaltungsprogramm durch den Vortrag von Michael Franssen zu unterschiedlichen öffentlichen Förderprogrammen und Beratungsmöglichkeiten für Unternehmen.