Zukunft. Einzelhandel. Ländlicher Raum!

Dr. Guter Schaible, Geschäftsführer IHK Aachen (rechts), befragt Ministerin Ina Scharrenbach und Schleidens Bürgermeister Ingo Pfennings (Quelle: Wirtschaftsförderung Kreis Euskirchen)

Wie bleibt der Einzelhandel im Kreis Euskirchen attraktiv und wettbewerbsfähig?

Wo werden die Menschen künftig einkaufen, hier vor Ort in unseren Geschäften oder im Internet? Wie kann sich der traditionelle stationäre Einzelhandel gegen den rasant wachsenden Online-Handel behaupten? Um diese und viele weitere Fragen ging es jüngst im Kurhaus Gemünd, anlässlich der Veranstaltung „Zukunft.Einzelhandel.Ländlicher Raum – Strategische Partnerschaften zwischen Kommunen und stationärem Handel im digitalen Zeitalter“. Eingeladen hatten die Wirtschaftsförderung des Kreises Euskirchen und die Wirtschaftsförderung der Stadt Schleiden.

Über 100 Vertreter*innen des Einzelhandels, aus Politik und Verwaltung waren der Einladung zum Gedankenaustausch und zur Vernetzung gefolgt.

Nach einer Begrüßung durch Landrat Günter Rosenke empfahl Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW, eine Organisation des Einzelhandels, die dem Charakter des ländlichen Raums gerecht wird: „Seien Sie stolz darauf, der ländliche Raum zu sein, und versuchen Sie nicht, etwas zu kopieren, was es in der nächsten großen Stadt gibt!“ Die Ministerin verwies auf ein paar unschlagbare Vorteile des stationären Handels: Hier trifft man Menschen, kann soziale Kontakte pflegen, kann Waren anfassen, aus- und anprobieren und das Shoppen zu einem Erlebnis für die ganze Familie machen.

Einen schweren Fehler der Vergangenheit sieht die Ministerin in der systematischen Verlagerung des großflächigen Einzelhandels aus den Innenstädten heraus auf die „Grüne Wiese“. Heute werden diese Discounter in den Innenstädten als Frequenzbringer schmerzlich vermisst. Dieser Fehler müsse, so weit wie möglich, rückgängig gemacht werden.              

Im Anschluss referierte Prof. Dr. Claus-Christian Wiegandt von der Universität Bonn zum Thema „Online-Handel in ländlichen Räumen – Fluch oder Segen?“ In den kommenden Wochen wird Prof. Dr. Wiegandt zusammen mit Studierenden in einem umfangreichen Forschungsprojekt die Einkaufsgewohnheiten der Menschen in Blankenheim, Dahlem, Hellenthal, Kall und Schleiden untersuchen. Die Ergebnisse der Befragung werden zu Beginn des neuen Jahres vorgestellt. 

In kurzen Talkrunden, moderiert durch den IHK-Geschäftsführer Dr. Gunter Schaible, kamen abschließend Einzelhändler*innen, Bürgermeister und der Handelsverband Nordrhein-Westfalen – Aachen Düren Köln e.V. zu Wort.

Als zentrale Botschaften der Veranstaltung konnten festgehalten werden: Der Einzelhandel muss seine Online-Präsenz stärken und die Kommunen sollten bei Neuansiedlungen und Gestaltungsmaßnahmen die Zentren wieder mehr im Fokus haben. Alle gemeinsam sollten für außergewöhnliche Einkaufserlebnisse mit Ambiente, Flair und Atmosphäre sorgen. Kooperationen mit dem Online-Handel sollten immer da eingegangen werden, wo der stationäre Handel gewisse Angebote des unregelmäßigen Bedarfs gar nicht wirtschaftlich vorhalten kann.     

Die Wirtschaftsförderung des Kreises Euskirchen wird die vielen im Rahmen der Veranstaltung gewonnen Anregungen aufgreifen und ein umfangreiches Beratungsangebot für Einzelhändler*innen entwickeln. Als wichtige Partner sollen die Kommunen und die dort vor Ort ansässigen Gewerbevereine „mit ins Boot geholt werden“.   

Angeboten werden künftig Einzelberatungen und Workshops, wie z.B. das Innovations- und Kreativitätstraining „INNOVATIA“. Der Technologiescout der Kreiswirtschaftsförderung wird Hilfestellungen bei Digitalisierungsvorhaben geben.   

Einzelhändler*innen, die das kostenlose Serviceangebot der Kreiswirtschaftsförderung kennenlernen und nutzen wollen, werden gebeten, sich mit Christof Gladow, Telefon: 02251/ 15370, E-Mail: christof.gladow@kreis-euskirchen.de, in Verbindung zu setzen.