Interview mit Melanie Miniaci, Inhaberin von Miderma

Liebe Frau Miniaci, was genau macht Ihr Jungunternehmen und was ist das Besondere an Ihrer Geschäftsidee?

Mit Hilfe meiner Dienstleistung bin ich in der glücklichen Position, meinen Kundinnen Wohlbefinden zu schenken. Mehr Selbstbewusstsein, Leichtigkeit und sogar jeden Tag ein kleines bisschen eingesparte Zeit sind die Vorteile meiner Permanent Make-up Anwendungen (PMU). Auf den ersten Blick geht es hier für einige wahrscheinlich eher um ein oberflächliches Thema. Zu meinen Kunden zählen aber auch Krebspatienten oder Personen, die an Alopezie, das heißt an totalem Haarausfall, erkrankt sind. Weiterhin sind ästhetische Anwendungen auch bei Narben oder bei der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder im Anti-Aging Bereich möglich. Meine Klientel besteht also aus zwei Gruppen – zum einen sind es Erkrankte, die nicht länger von ihrem Leidensweg gezeichnet sein wollen und ein natürlices Ergebnis erwarten und zum anderen Lifestyle affine Frauen.

Durch spezielle Techniken, ähnlich der des Tätowierens, bringe ich Farbpigmente so in die Haut, dass z.B. Augenbrauenhärchen, Wimpern, Lippen, Areola täuschend echt nachempfunden werden.

Mein Firmenkonzept basiert dabei auf verschiedenen Pfeilern. Die Durchführung der Behandlungen findet in eigenen Räumlichkeiten in Schleiden sowie in Räumlichkeiten meiner Kooperationspartner statt. Dazu zählen Kosmetiker, Nageldesigner, Friseure, Ärzte und Kliniken. Dieses Konzept möchte ich noch weiter ausbauen und bin weiterhin auf der Suche nach gegenseitig ergänzenden Partnerschaften.

Wann und wie reifte in Ihnen der Entschluss, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen?

Während meiner Ausbildung vor zehn Jahren schwirrte der Gedanke schon in meinem Kopf. Zu dem Zeitpunkt war der Ruf der Kosmetikerinnen allerdings nicht gerade gut. Obwohl ich mit Bedacht eine dreijährige medizinisch orientierte Ausbildung gewählt hatte, wollte ich vorab genügend Erfahrung sammeln und einen Überblick über den Markt gewinnen. Da ich beruflich schon immer sehr anspruchsvoll und perfektionistisch Arbeiten wollte, arbeitete ich bei internationalen Kosmetikkonzernen, in einem Leading Hotel und auf einem Kreuzfahrtschiff.

Wie sich heute herausstellt, war es sicherlich der richtige Weg und ein absoluter Vorteil, da ich wertvolle berufliche Erfahrungen sammeln konnte. Dennoch ist die aktuelle Schwämme an „Billig-Anbietern“ eine Herausforderung. Die Berufe der Kosmetikerin und des Permanent Make-up Artists sind leider nicht geschützt und teilweise in 2-Tage-Seminaren zu erlernen. Daher auch die vielen missglückten Ergebnisse und die allgemeine Annahme, dass permanentes Make-up künstlich aussieht.

Meine Selbstständigkeit begann erst richtig nachdem ich meine Tätigkeit für eine deutsche PMU-Firma in China beendet hatte. Zu Beginn war ich auf einer Beautyfarm angestellt und im Nebenerwerb selbstständig. Diese Situation änderte sich nach ca. zwei Jahren. Seitdem verwirkliche ich meinen Traum der Selbstständigkeit mit großer Freude.

Was waren die größten Herausforderungen, die Sie auf Ihrem Gründungsweg überwinden mussten?

Wirkliche Herausforderungen waren bei mir hauptsächlich die Erstellung der Kunden-Unterlagen und des Marketingmaterials. Diese Aufgabe konnte ich nicht delegieren, da hier tiefgründiges Fachwissen gefragt ist. Auf dem Gebiet des PMU empfinde ich es als sehr wichtig, eine gute Aufklärung leisten zu können, denn die Farbe geht ja nun mal unter die Haut.

Positionierung und Sichtbarkeit sind vielleicht noch wichtige Themen, dafür sollte man sich allerdings professionelle Hilfe nehmen.

Was schätzen Sie am meisten an Ihrer Selbständigkeit?

Mir ist es wichtig, komplett frei zu sein und mich verwirklichen zu können. Mit „frei sein“ meine ich als Selbstständige natürlich nicht die freie Zeit. Es wird wohl jeder unterschreiben, dass die Aussage „Selbst und ständig“ absolut stimmig ist. Ich möchte meine Überzeugungen umsetzen und meine Kunden und mich mit meiner Arbeit außerordentlich zufriedenstellen.

Mein Konzept ist sehr flexibel. Es ermöglicht mir als leidenschaftliche Weltenbummlerin auch beruflich verschiedene Orte „zu bereisen“ und so sogar einen größeren Kundenkreis zu erschließen.

Welche Charaktereigenschaften sind ein Muss, um sich als Unternehmerin behaupten zu können?

Ein Mix aus verschiedenen Eigenschaften ist meist am sinnvollsten. So reguliert man sich selbst. Am wichtigsten empfinge ich: Disziplin, Durchhaltevermögen, Begeisterungsfähigkeit, Kreativität, Positivität, Selbstmotivation, Gelassenheit.

Welche Tipps würden Sie Menschen geben, die sich mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?

Meine Tipps sind folgende Fragen, die sich jeder vorab stellen sollte: Wie möchte ich mein Leben leben? Was macht mich glücklich? Was muss ich dafür tun? Wer kann mich dabei unterstützen?

Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, ist der Rest gegen diese Fragen nur noch „Peanuts“:

  1. Genaue Planung: einen ausführlichen Business-Plan schreiben, damit sortiert man seine Gedanken
  2. Zielgerichtetes Handeln und
  3. Unternehmenstätigkeiten, die einem nicht liegen, an Fachleute delegieren.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 5 Jahren?

Neben meiner aktuellen Ausrichtung bin ich in fünf Jahren beruflich wieder international unterwegs und gebe Schulungen/Coachings zu verschiedenen Themengebieten in meiner Branche.

Was finden Sie besonders gut am Wirtschaftsstandort Kreis Euskirchen?

Auch wenn ich in Schleiden am Randgebiet bin und zugeben muss, dass die Stadt für meine sehr spezielle Branche nur bedingt geeignet ist, kann ich hier das Leben und Arbeiten super vereinen. Ich habe immer einen Ruhepol, der mich aus dem vielfältigen Alltag einer Unternehmerin rausholt und geringere Fixkosten, was sich in der Anfangszeit nur positiv auswirkt. Durch eine Kooperation, die sich direkt in der Stadt Euskirchen ergeben hat, kann ich aber auch die Vorzüge der guten Infrastruktur nach Köln und Bonn genießen.